Ist das Energiesparen gescheitert?

 In Energiemarkt-Nachrichten

Unter der reißerischen Überschrift “Effizienz-Illusion: Der geplatzte Traum vom Energiesparen”, ist auf Welt Online seit dem 25. August 2012 ein flammendes Plädoyer gegen das von der Politik geforderte Energiesparen und die von ihr geplante Energiewende zu lesen. Mehrere Wissenschaftler werden zitiert, die erklären, dass weder Energiesparlampe, Gebäudedämmung noch andere Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz etwas bringen würden. Für dieses Paradoxon sorge der “Rebound-Effekt”, der eigentlich nichts anderes besagt, dass die eingesparte Energie eben an anderer Stelle wieder verbraucht würde. Als Beispiel werden ein Haushalt genannt, in dem zwar nur noch Energiesparlampen verwendet werden, mit dem Wechsel aber nun auch der ganze Fußweg zur Garage mit Lampen bestückt wurde. Als anderes Beispiel dienen sparsamere Autos, die im Urlaub nun aber nach Südfrankreich anstatt nur bis in den Bayerischen Wald gefahren würden.

Ist Energiesparen sinnlos oder verkennen die Experten die Realität?

Die Einsparungen an Energie würden laut Aussagen der zitierten Experten somit an anderer Stelle wieder kompensiert und in manchen Fällen würde dann sogar bis zu drei Mal mehr Energie verbraucht werden als eingespart wird. Es stellt sich allerdings die Frage, ob z.B. die Fahrt nach Südfrankreich nicht auch in einem Auto unternommen worden wäre, das z.B. 3 Liter mehr auf 100 Kilometer verbraucht. Auch, ob tatsächlich die Mehrzahl der Verwender von Energiesparlampen deshalb gleich die doppelte menge verwendet um ihren Garten oder Wege mit auszuleuchten. Wenn z.B. der Stromverbrauch im Haushalt steigt, dann sicherlich nicht deshalb, WEIL der neue Kühlschrank und die Waschmaschine mit Energieeffizienzlabel A+++ gekauft wurden. Stattdessen ist dafür wohl eher die Entwicklung neuer Geräte wie Smartphones, Tablet PCs, etc. verantwortlich, die ja zusätzlich zu den bisherigen Verbrauchern mit Strom versorgt werden müssten. Es würde wohl aber kaum jemand auf sein Smartphone verzichten, nur weil der neue Kühlschrank nicht weniger Strom verbraucht.

Die Frage ist daher nicht, ob in einem Haushalt mit energieeffizientem Kühlschrank und Smartphone, Tablet, etc. mehr Strom verbraucht wird als in einem Haushalt mit altem Kühlschrank ohne Smartphone, Tablet, etc., sondern als in einem Haushalt mit Stromfresse-Kühlschrank und Smartphone, Tablet, etc. Dementsprechend sähe das Ergebnis nämlich ganz anders aus und ein direkter Zusammenhang darf deshalb wohl zumindest in einigen Bereichen in Frage gestellt werden.

Energiesparen ist auch der Stopp des sinnlosen Verschwendens von Energie

Generell ist vielen Kritikern der Zwang zur Steigerung der Energieeffizienz ein Dorn im Auge, denn oft scheinen sie zu glauben, dass die Politik von ihnen erwartet, dass sie Abends im Dunkeln sitzen um Strom zu sparen oder die Heizung selbst im Winter ausbleiben müsse um den Öl- oder Gasverbrauch zu senken. Stattdessen geht es vor allem vielmehr darum, die sinnlose Verschwendung von Energie – und damit auch barem Geld – zu stoppen. Beispiele sind etwa, dass man PC oder Fernseher komplett ausschalten kann, anstatt sie stundenlang im Stand-By Betrieb laufen zu lassen. Die Lebensqualität schränkt dies sicher nicht ein. Ebenso kann beispielsweise der Heizenergieverbrauch gesenkt werden, wenn im Winter nicht den ganzen Tag bei gekipptem Fenster geheizt wird, sondern man die Fenster sinnvollerweise nur kurz zum Stoßlüften öffnet. Auch hier sinkt der Lebensstandard nicht ab, nur weil man Energie cleverer nutzt.

Alternative: Höhere Steuern auf den Verbrauch von Energie

Im Gegenzug zur oft vorgetragenen Stammtisch-Weisheit, dass es keine Ressourcenknappheit geben werde, man sich an die gute alte Zeit halten solle und früher ohnehin alles besser war, sehen Autor wie auch die zitierten Experten aber schon die notwendigkeit zur Senkung des Energieverbrauchs. Anstelle von erzwungenen oder freiwilligen Maßnahmen zum Energiesparen hält Manuel Frondel, Leiter des Bereichs Umwelt und Ressourcen am Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aber nur direkte Verbrauchssteuern für ein geeignetes Mittel zurm Erreichen der Ziele. Sie raten der Politik zu einer Umstellung des Steuersystems – weg von der direkten Besteuerung, hin zu mehr Verbrauchssteuern. Einer Senkung der Einkommenssteuer könnte dann etwa eine Erhöhung der Mineralölsteuer gegenüberstehen, so dass der Bürger bei unverändertem Mobilitätsverhalten keine höhere Belastung ertragen müsste. Lässt er das Auto aber öfters stehen oder fährt sparsamer, dann spart er eben auch Steuern.

Den kompletten Artikel “Effizienz-Illusion: Der geplatzte Traum vom Energiesparen” können Sie auf Welt Online nachlesen.

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