UBA-Studie: Mehr Energieeffizienz ist ausschlaggebend für die Energiewende

 In Energiemarkt-Nachrichten

Klimawandel, sinkende Rohstoffressourcen, steigende Energiepreise und zuletzt der tragische Atomunfall in Japan: Der Wunsch der Menschen nach einer echten Energiewende in Deutschland ist aktueller als je zuvor und die Ziele klingen auch ambitioniert: Bis 2020 soll der Klimagasausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 sinken. Das sieht das Integrierte Energie- und Klimaprogramm (IEKP) vom August 2007 vor, fortgeschrieben im Energiekonzept der Bundesregierung von September 2010. Eine große Rolle spielt der Umstieg auf die Erneuerbaren Energien, doch das Einsparpotential an Energie, also die Steigerung der Energieeffizienz, sollte nicht vergessen werden. Denn immerhin könnten Energiesparen und mehr Energieeffizienz den Strommix schon alleine verändern – ohne eine einzige neue Windkraft oder Solaranlage.

Windkraftanlagen
Foto: Tomasz Sienicki

Laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) wird das Potential aber gerade in diesem Bereich noch viel zu wenig ausgeschöpft. Die Probleme bei der Umsetzung sind nach Meinung von UBA-Präsident Jochen Flasbarth allerdings gut zu heben: “Vor allem bei der Energieeffizienz können und müssen wir ganz deutlich nachlegen. Egal ob Stromsparen im Haushalt oder in der Industrie, ob klimafreundliche Gebäudesanierung oder sparsame Autos – bislang reichen die Maßnahmen nicht aus, um die Emissionen im angestrebten Umfang zu senken. Hier muss deutlich mehr passieren.” Flasbarth riet auch dazu, die erneuerbaren Energieträger besser in das Stromnetz zu integrieren.

Während die Frage der Stromerzeugung nach Fukushima die meistdiskutierte ist und zudem von Vielen über die hohen Strompreise gejammert wird, sind laut der UBA-Studie beim Stromsparen die größten Defizite: Allein durch die Senkung des Stromverbrauchs in Deutschland könnten zwischen 25 und 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) zusätzlich eingespart werden. Dafür müssten die bereits beschlossene Maßnahmen nur konsequent umgesetzt werden. Nötig sind dazu etwa verbesserte und verbindliche Mindesteffizienzstandards sowie eine bessere Energieverbrauchs-Kennzeichnung elektrischer Geräte. Im Gebäudebereich lassen sich laut UBA-Studie durch Effizienzsteigerungen rund 20 bis 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Besonders gefordert sind laut der Studie auch die Autohersteller. Denn auch im Verkehrssektor muss der CO2-Ausstoß deutlich sinken: Denn auch wenn die derzeit in Deutschland zugelassene Neufahrzeuge noch rund 152 g/km ausstoßen, wird das Zwischenziel für das Jahr 2015 von durchschnittlich 130 Gramm CO2 pro Kilometer (g/km) bei Neuwagen voraussichtlich erreicht. Allerdings zählen hier auch nur die Werte auf dem Papier, wobei Verbrauch und demnach auch Emissionen in der Realität bei Fahrten im Alltag eigentlich immer um mindestens 10% darüber liegen. Diese Tatsache und auch die Ziele der EU-Kommission von nur 95 g/km im Jahr 2020 machen jedoch noch intensivere Bemühungen erforderlich.

Beim Einsatz erneuerbarer Energien für die Strom- und Wärmeerzeugung stehen die Chancen gut, mit bereits implementierten Gesetzesänderungen das IEKP-Ziel von rund 69 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger in 2020 als 2006 zu erreichen. Dennoch empfiehlt das UBA, auch hier weiter zu optimieren: “Die positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien ist kein Selbstläufer. Das Erneuerbaren-Energien-Gesetz sollte kontinuierlich weiterentwickelt werden, auch um die Vermarktung des EEG-Stroms zu verbessern. Außerdem müssen wir das Stromnetz zukunftsfähig aus- und umbauen, damit sich die wachsenden Anteile des Stroms aus Wind, Sonne und Co. besser integrieren lassen”, so UBA-Chef Flasbarth.

Das IEKP enthält 29 Maßnahmen, davon 14 Gesetze und Verordnungen und wurde im August 2007 beschlossen. Das Maßnahmenpaket ist so angelegt, dass die deutschen Klimaschutzziele auch bei einem Ausstieg aus der Atomenergie gemäß Atomausstiegsgesetz aus dem Jahr 2002 erreicht werden.

Die UBA-Studie “Statusbericht zur Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramms der Bundesregierung” kann unter http://www.uba.de/uba-info-medien/3971.html kostenlos als Pdf heruntergeladen werden.

Das Foto stammt von Tomasz Sienicki und wurde unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 1.0 Generic Lizenz veröffentlicht.

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