Übergabe in Berlin: 1205 Wissenschaftler fordern schnellen Ausstieg aus der Atomkraft

 In Energiemarkt-Nachrichten

Die Sprecher der Atomlobby behaupten immer gerne, dass die Diskussion um die Atomkraft in Deutschland besonders unsachlich wäre und vor allem von Unwissenden mitgeprägt wird. Experten, die häufig im Auftrag der großen Energiekonzerne agieren, stellen die Kernkraft hingegen immer als sicher, billig und vor allem unersetzlich dar. Dass dies aber nicht die Meinung der Mehrheit der deutschen Gelehrten ist, haben sie gestern mit einem Memorandum bewiesen, das von 1205 Wissenschaftlern – davon 872 Professoren – unterzeichnet wurde. Darin fordern sie einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Kernenergie und vermehrte Anstrengungen, das Problem der Entsorgung zu lösen. Die unterzeichneten Dokumente wurden am 20. April 2011 an die Verantwortungsträgerinnen und Träger in der Regierung und im Bundestag übergeben.

Video: Meinungen zur Kernenergie und dem gewollten Ausstieg aus der Atomkraft

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich für den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie stark machen, sehen es als ihre Aufgabe an, eine klare Stellung zu beziehen. Aus ihrer Sicht heißt dies ganz klar eine möglichst schnelle Beendigung der Energieerzeugung mit Kernkraftwerken, denn wie zuletzt Fukushima tragischerweise bewiesen hat, sind Menschen ihrer Meinung nach nur Teil der Natur und nicht die Beherrscher der Natur. Der Mensch sei zwar in der Lage, hochkomplexe und vielfältige Technologien zu entwickeln, könne sie dann aber im Zweifelsfall nicht vollständig beherrschen.

Deutschland ist beim Umstieg auf Erneuerbare Energien gegenüber anderen Ländern im Vorteil

Für eine Energieversorgung ohne Kernkraft sei Deutschland geradezu prädestiniert, auch wenn der von der Mehrheit geforderte Umstieg auf die Erneuerbaren Energien sicher nicht leicht zu bewältigen sei. Gegenüber anderen europäischen Nationen sei Deutschland aber im Vorteil und er wäre aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich schneller machbar als es einem die großen Energiekonzerne und ihre Fürsprecher immer weismachen wollen. Ein gutes Beispiel sei Portugal, die den erneuerbaren Anteil an der Stromproduktion innerhalb von nur fünf Jahren auf 45% gesteigert haben.

Atomausstieg und Erneuerbare Energien könnten Deutschland zum technologischen Vorreiter machen

Die Laufzeitverlängerungen für AKWs waren bereits vor der Katastrophe in Japan höchst umstritten, nach den Reaktorunglücken von Fukushima seien sie aber einfach nicht mehr hinnehmbar. Die unterzeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern daher, dass der Staat dafür sorgen muss, dass der Schutz der Bürgerinnen und Bürger eine absolute Priorität vor den überwiegend wirtschaftlichen Interessen haben muss. Da der Ausstieg aus der Atomenergie nirgends auf der Welt soweit vorbereitet sei wie bei uns, komme Deutschland daher zu, praktische Lösungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung zu entwickeln. Damit würde Deutschland auch als Wissenschafts- und Technologiestandort wieder an der Weltspitze stehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wären auf jeden Fall bereit, ihren Beitrag zu leisten um diese Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Atomausstieg und Erneuerbare Energien – Was jeder Einzelne tun kann

Der Umstieg auf eine Energiversorgung aus Erneuerbaren Energien wird allerdings nur dann gelingen, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Denn jeder kann etwas tun und die einfachsten Dinge sind: Sofortiges Kündigen des Stromvertrags bei den großen Energieriesen (RWE, E.ON, Vattenfall oder EnBW) und Wechseln zu einem echten Ökostromanbieter (Greenpeace Energy, Naturstrom, EWS Schönau,…). Keine Aktien oder Anleihen von den genannten Atomkonzernen kaufen. Und natürlich das eigene Energieverhalten überdenken und versuchen Strom zu sparen (kein Stand-By, sparsame Elektrogeräte anschaffen, etc. weiter Tipps unter “Energiesparen“).

Weitere Informationen sind unter www.wissenschaft-fuer-atomausstieg.de zu finden.

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